Stricknadeln im Flugzeug: Das müssen Sie beachten

Infos zu Stricknadeln im Flugzeug
Ob Sie im Flieger stricken können, entscheidet sich bei der Sicherheitskontrolle.

Auch wenn die Vorfreude auf den Urlaub groß ist, kann sich der Flug dorthin ganz schön ziehen. Schlafen, Musik hören, einen Film schauen oder ein Buch lesen wären zwar Möglichkeiten, um sich die Zeit im Flieger zu vertreiben. Doch es wäre auch praktisch, am aktuellen Strickprojekt weiterzuarbeiten. Allerdings setzt das voraus, dass Sie neben der Wolle auch die Stricknadeln mit ins Handgepäck nehmen. Und spätestens dann stellt sich die Frage: Sind Stricknadeln im Flugzeug eigentlich erlaubt? Kann ich während des Flugs gemütlich stricken? Oder nehmen mir die Sicherheitsmitarbeiter mein Strickzeug ab? Wir klären auf!

Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die im Urlaub nicht auf ihr Hobby verzichten wollen. Oder Sie möchten sich die Zeit während eines langen Fluges gerne mit Stricken vertreiben. Schließlich ist ein mehrstündiger Flug eine gute Gelegenheit, um Socken, eine Mütze oder ein kuscheliges Tuch anzufertigen.

Die Frage, ob Stricknadeln im Flugzeug erlaubt sind, wird jedenfalls immer wieder gestellt. Eine pauschale und allgemeingültige Antwort darauf zu geben, ist aber nicht so einfach. Denn grundsätzlich sind Stricknadeln im Handgepäck erlaubt. Nur heißt das nicht automatisch, dass Sie Ihr Strickzeug auch tatsächlich mit an Bord nehmen können. Warum das so ist und was Sie beachten sollten, erfahren Sie im Folgenden.

Die rechtlichen Grundlagen für Stricknadeln im Flugzeug

Im Jahr 2015 hat die EU-Kommission die Verordnung 2015/1998 erlassen. Diese Verordnung legt die Maßnahmen fest, nach denen die gemeinsamen Grundstandards für die Luftsicherheit durchgeführt werden.

Weil eine EU-Verordnung den gleichen Status hat wie ein Gesetz, ist sie im Normalfall EU-weit mit sofortiger Wirkung gültig. Die Regierung muss nicht erst ein Gesetz auf Bundesebene erlassen, um die Inhalte einer EU-Verordnung umzusetzen. Die Suche nach einem deutschen Gesetz, das regelt, ob Passagiere Stricknadeln im Handgepäck mitnehmen dürfen, ist deshalb überflüssig.

Was das Strickzeug und andere Handarbeitssachen angeht, ist jedenfalls die Anlage 4-C der Verordnung interessant. Darin geht es nämlich unter anderem um spitze oder scharfe Gegenstände. Demnach dürfen zum Beispiel Scheren, die ab dem Scharnier gemessen über 6 cm lange Klingen haben, nicht ins Handgepäck. Gleiches gilt für Rasierklingen, Teppichmesser und eine Reihe anderer Dinge.

Von Stricknadeln, Häkelnadeln und Nähnadeln ist in der Verordnung keine Rede. Das heißt im Umkehrschluss, dass Stricknadeln im Handgepäck grundsätzlich nicht verboten sind.

Letztlich ist es eine Ermessenssache

Doch bloß weil das EU-Recht Stricknadeln im Flugzeug nicht ausdrücklich verbietet, ist es nicht zwangsläufig auch erlaubt, sie tatsächlich mit an Bord zu nehmen. Denn die Mitarbeiter an den Sicherheitskontrollen haben an dieser Stelle noch ein Wörtchen mitzureden. Zu ihren Aufgaben gehört es nämlich, dafür zu sorgen, dass keine zu gefährlichen Gegenstände in den Sicherheitsbereich und an Bord eines Flugzeugs gelangen.

Dabei müssen die Sicherheitsmitarbeiter abwägen, ob aus einem scheinbar harmlosen Gegenstand eine Waffe werden könnte. Und der Grad dabei ist schmal. Schließlich kann ein simpler Regenschirm durchaus als Schlagstock eingesetzt werden und eine spitze Nagelschere kann sich in eine bedrohliche Stichwaffe verwandeln.

Klar, dass robuste Stricknadeln aus massivem Metall mit spitzen Enden als ein Gegenstand eingestuft werden könnten, der zu gefährlich und folglich im Handgepäck verboten ist.

Wenn es Probleme gibt, dann betrifft das tatsächlich überwiegend Stricknadeln aus Metall. Doch das liegt nicht daran, dass Metall-Stricknadeln von Haus aus gefährlicher sind als Stricknadeln aus Bambus oder Kunststoff. Der Grund ist vielmehr, dass Metall-Stricknadeln auf dem Bildschirm deutlich zu erkennen sind.

Wenn das Handgepäck durch den Scanner läuft, erscheint der Inhalt je nach Material in unterschiedlichen Farben. Und weil Metall durch seine hohe Dichte in Blau zu sehen ist, hebt es sich deutlich von den anderen, gelb oder rot eingefärbten Gegenständen ab.

Entdeckt der Sicherheitsmitarbeiter einen blau eingefärbten, langen und spitzen Gegenstand auf dem Bildschirm, wird er mitunter genauer nachschauen. Und dann liegt es in seinem Ermessen, ob er die Stricknadeln durchgehen lässt oder nicht.

Ein paar Tipps für die Sicherheitskontrolle

Möchten Sie Ihr Strickzeug im Handgepäck mitnehmen, sollten Sie am besten auf Stricknadeln aus Holz oder Bambus zurückgreifen. Und wenn Sie nach dem Einchecken zur Sicherheitskontrolle gehen, sollten Sie Ihre Tasche einfach stillschweigend auf das Band stellen.

Weisen Sie den Sicherheitsmitarbeiter nicht auf die Stricknadeln hin und fragen Sie nicht extra nach, ob Ihr Strickzeug erlaubt ist.

Es ist per se nicht verboten, Stricksachen mit ins Flugzeug zu nehmen. Sie machen also nichts Illegales und verstoßen nicht gegen Sicherheitsvorschriften, wenn Sie an Bord stricken wollen. Sprechen Sie den Sicherheitsmitarbeiter aber gezielt auf die Stricknadeln an, wird er genauer hinschauen. Und wenn Sie Pech haben, wertet er die Stricknadeln im Zweifel als bedenklichen Gegenstand und untersagt Ihnen die Mitnahme.

Deshalb: Sagen Sie einfach nichts und warten Sie ab, was passiert. Vor allem Bambus- und Holzstricknadeln werden im Scanner eher selten auffallen. Und solange Sie keine schlafenden Hunde wecken, wird es wegen Ihrer Stricksachen nur äußerst selten Probleme geben.

Für den Fall, dass Sie die Stricknadeln doch nicht durch die Sicherheitskontrolle bekommen, können Sie außerdem vorsorgen. Packen Sie dafür zum einen Ersatz-Stricknadeln in Ihren Koffer. Im Aufgabegepäck dürfen Sie nämlich so viele Stricknadeln transportieren, wie Sie wollen. So ist sichergestellt, dass Sie am Urlaubsort Ihrem Hobby auf jeden Fall nachgehen können.

Zum anderen können Sie sicherheitshalber einen adressierten und frankierten Briefumschlag in die Handtasche tun. Falls Sie die Stricknadeln nicht ins Flugzeug nehmen dürfen, können Sie diese in den Umschlag stecken.

Am Flughafen gibt es immer einen Briefkasten. Statt die Stricknadeln zu entsorgen, können Sie diese so zu sich nach Hause schicken. Und wenn Sie keine Zeit haben, den Briefkasten zu suchen, können Sie einen Flughafen-Mitarbeiter bitten, den Brief für Sie einzuwerfen. Fragen Sie freundlich nach, wird Ihnen niemand Ihre Bitte abschlagen.

Denken Sie auch an die sonstigen Vorgaben fürs Handgepäck

Im Reisegepäck, das Sie am Schalter aufgeben, können Sie viele Dinge transportieren, die im Handgepäck tabu sind. Behalten Sie deshalb generell im Blick, was Sie in den Flieger mitnehmen dürfen. Flüssigkeiten ab 100 ml sind hier zum Beispiel ein großes Thema.

Einen Überblick darüber, was ins Handgepäck kann und was nicht, können Sie sich auf der Internetseite Ihrer Airline, auf der Homepage des Flughafens oder auch auf der Webseite der Bundespolizei verschaffen.

Airlines haben teils eigene Regeln für Stricknadeln im Flugzeug

Während die Stricknadeln meist keine große Sache sind, kann es mit Zubehör anders aussehen. Nähnadeln oder eine lange, spitze Schere können bei der Sicherheitskontrolle problematisch werden. Packen Sie solche Utensilien deshalb besser in Ihren Koffer.

Auf dem Flug können Sie so gemütlich stricken und die Ausarbeitung dann später immer noch erledigen. Oder wählen Sie gleich ein Projekt aus, bei dem Sie nicht großartig nähen müssen. Socken, Mützen oder ein Schal sind beispielsweise eine gute Wahl.

Nun sind aber die EU-Regeln die eine Sache. Die andere Sache sind die Regelungen, die die Airlines haben. Zwar erwähnen die wenigsten Fluggesellschaften Stricknadeln namentlich in ihren Richtlinien. Aber es gibt ein paar Airlines, die die Mitnahme von Stricknadeln im Handgepäck ausdrücklich verbieten. Eurowings ist ein Beispiel dafür.

Erlaubt die Airline, mit der Sie fliegen, keine Stricknadeln an Bord, müssen Sie sich daran halten. Ob das EU-Recht etwas anderes sagt, spielt dann keine Rolle.

In einigen Phasen des Flugs sollten Sie aufs Stricken verzichten

Eine Fluggesellschaft ist darum bemüht, Ihnen einen angenehmen Flug zu bieten. Und allein schon aus versicherungstechnischen Gründen sollen Verletzungen an Bord möglichst vermieden werden.

Deshalb sollten Sie während des Starts und der Landung nicht stricken. Auch falls starke Turbulenzen auftreten sollten, packen Sie Ihre Stricknadeln lieber weg.

Denn es muss ja nicht sein, dass Sie sich selbst oder Ihren Sitznachbar in irgendeiner Form in Gefahr bringen. Und dabei geht es gar nicht nur darum, dass Sie sich oder jemand anderen mit Ihrer Stricknadel stechen. Genauso kann Ihre Wolle wegrollen und zur Stolperfalle werden. Dem Wollknäuel im Flieger hinterher zu jagen, ist sicher nicht in Ihrem Sinne. Verhalten Sie sich also umsichtig, damit alle Beteiligten einen schönen Start in die Ferien haben.

Und: Beim Rückflug kann die Sache anders aussehen

Treten Sie die Rückreise an, gelten möglicherweise andere Bestimmungen. Vor allem wenn Ihr Urlaubsland nicht zur EU gehört, kann das Sicherheitspersonal Stricksachen im Handgepäck noch einmal völlig anders handhaben.

Natürlich können Sie Ihr Glück versuchen. Nur sollten Sie dann nicht unbedingt Ihre absoluten Lieblings-Stricknadeln ins Handgepäck nehmen. Packen Sie stattdessen einfache Holz-Stricknadeln ein. Sollten Sie diese Nadeln bei der Sicherheitskontrolle abgeben müssen, ist der Verlust sicher zu verschmerzen.

Fazit zu Stricknadeln im Flugzeug

Die Richtlinien rund um Flüge sind streng. Doch die Vorschriften dienen letztlich Ihrer eigenen Sicherheit. Und die Mitarbeiter am Flughafen machen nur Ihren Job. Wenn Ihnen bei der Kontrolle Ihre Stricknadeln oder andere Dinge abgenommen werden, dann möchte Sie niemand damit persönlich ärgern.

Es gibt eben Regeln und diese müssen eingehalten werden. Und mal ehrlich: Wenn es Ihr Job wäre, die Sicherheit zu gewährleisten, würden Sie vermutlich auch keine Risiken eingehen oder Ausnahmen machen.

Bleiben Sie also ruhig und freundlich. Wenn Sie Ihre Stricksachen in die Handtasche stecken und nichts weiter dazu sagen, werden Sie Ihre Stricknadeln so gut wie immer ins Flugzeug mitnehmen dürfen.

Falls ein Sicherheitsmitarbeiter doch Bedenken hat und entscheidet, dass die Stricknadeln im Sicherheitsbereich und im Flugzeug zu gefährlich sind, dann müssen Sie das eben akzeptieren. Es bringt nichts, wenn Sie eine Szene machen. Damit vermiesen Sie sich nur den Start in den Urlaub. Aber wie gesagt: In den allermeisten Fällen wird es keine Probleme mit Stricknadeln im Flugzeug geben.