Strickkrawatte: So stricken Sie das edle Accessoire

Aktualisiert am 18. Juni 2020 von Selda Bekar

Anleitung für Strickkrawatte
Eine Strickkrawatte ist nicht den Herren vorbehalten. Auch als Frau können Sie Schlips tragen!

Ob im Business, bei einer Hochzeit, auf einer Party oder beim Restaurantbesuch: Für viele Männer macht erst eine Krawatte das Outfit so richtig komplett. Doch es muss nicht immer nur der altbewährte Klassiker aus Seide sein, der in gedeckten Farben oder mit dezenten Mustern daherkommt und zum Windsor Knoten gebunden ist. Wer es origineller mag, greift zur Strick-Krawatte. Denn ein gestrickter Schlips liegt im Trend und ist ein echtes modisches Statement. Nebenbei eignet er sich prima als Geschenk mit persönlicher Note. Und dabei lässt sich eine Strickkrawatte einfach selber machen. Wir zeigen, wie!

Wenn es darum geht, für Herren zu stricken, denken Sie im ersten Moment vermutlich an Socken, Mützen, Schals oder Pullover. Doch seit einiger Zeit ist noch etwas anderes schwer angesagt: Strickkrawatten! Kein Wunder, schließlich sieht eine gestrickte Krawatte gleich viel lässiger und pfiffiger aus als die biedere Seidenkrawatte.

Und das Schöne am Selbermachen ist, dass Sie die Form und das Design selbst bestimmen können. Ob Sie die Krawatte einfarbig und in einer klassischen Farbe wie Blau, Braun oder Schwarz stricken oder ein buntes Muster wählen, entscheiden Sie ganz alleine.

Bleibt nur die Frage, wie Sie eine Strickkrawatte anfertigen. Das erklären wir Ihnen jetzt!

Die Materialien für die Strickkrawatte

  • 100 Gramm Garn
  • Nadelspiel in der Größe 2,5 oder 3
  • Maßband
  • Nähnadel mit stumpfer Spitze
  • Schere

Für die gestrickte Krawatte können Sie ein Garn aus gekämmter Baumwolle nehmen. Dieses Garn sieht durch seinen leichten Glanz sehr schön aus und lässt sich gut verarbeiten. Außerdem fusselt es nicht, was bei einer Krawatte ja ziemlich praktisch ist.

Soll Ihre Strickkrawatte besonders edel werden, können Sie ein Garn verarbeiten, das Seide oder Cashmere enthält. Da Sie für eine Strickkrawatte nicht allzu viel Material brauchen, bleibt der Preis im Rahmen. Möchten Sie die Krawatte winterlich gestalten, geht aber natürlich auch eine Mischung mit Wolle oder Acryl.

Nur sollte Ihr Garn nicht zu dick sein. Sonst wirkt die Krawatte zu grob und erinnert eher an einen Schal. Außerdem lässt sich eine zu dicke Strickkrawatte schlecht binden.

Erst einmal ein bisschen Mathe

Wie viele Maschen, Runden und Zunahmen Sie stricken müssen, richtet sich nach dem Garn, das Sie verwenden. Und damit Sie Ihre Strickkrawatte mit jedem beliebigen Garn und in Ihrer Wunschgröße anfertigen können, kommt jetzt erst einmal eine kleine Rechenstunde.

Fertigen Sie zunächst eine Maschenprobe mit Ihrem Garn an. Anschließend zählen Sie aus, wie viele Maschen und wie viele Reihen Sie brauchen, um auf jeweils 10 cm zu kommen.

Eine Krawatte verläuft nicht gerade, sondern wird nach unten hinten breiter und endet schließlich mit einer Spitze. Dabei ist die obere, schmale Hälfte, die um den Hals gebunden wird und unter dem Hemdkragen verschwindet, etwa 80 cm lang.

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Der Bereich der Strickkrawatte, in dem Sie später Maschen zunehmen, hat eine Länge von etwa 60 cm. Zusammen mit der Spitze kommen Sie so auf die übliche Krawattenlänge.

Bevor Sie mit dem Stricken loslegen können, müssen Sie nun drei Werte ausrechnen. Das sind die gewünschte Breite Ihrer Strickkrawatte, die Anzahl der Runden im Zunahme-Bereich und die Anzahl der Maschen, die Sie zunehmen müssen.

Die Breite der Strickkrawatte

Durch die Maschenprobe wissen Sie, wie viele Maschen eine Breite von 10 cm ergeben. Nun können Sie festlegen, wie breit Ihre Strickkrawatte an der schmalsten und der breitesten Stelle werden soll.

Tipp: Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, orientieren Sie sich einfach an einer vorhandenen Krawatte. Diese können Sie ausmessen und die Maße dann entweder übernehmen oder abändern.

Mit dem Wert von der schmalsten Stelle rechnen Sie dann die Anzahl der Maschen aus, die Sie für die Strickkrawatte anschlagen. Nur nehmen Sie diese Zahl später doppelt, weil wir die Krawatte in Runden stricken.

Angenommen, Ihre Maschenprobe hat ergeben, dass Sie für 10 cm 28 Maschen stricken müssen. Die Krawatte soll oben 4 cm breit sein. Also rechnen Sie 28 x 0,4 = 11,2.

Abgerundet würden Sie für die Krawattenbreite somit 11 Maschen brauchen. Weil die Strickkrawatte aber zwei Lagen hat, würden Sie 22 Maschen anschlagen.

Die Anzahl der Runden im Zunahme-Bereich

Im unteren Bereich wird die Krawatte über eine Länge von etwa 60 cm breiter. Deshalb multiplizieren Sie die Anzahl Ihrer Reihen mit 6. Damit wissen Sie, wie viele Runden dieser Bereich der Krawatte umfasst.

Hat Ihre Maschenprobe zum Beispiel ergeben, dass Sie für 10 cm 36 Runden stricken müssen, wären das 36 x 6 = 216 Runden.

Die Maschenzunahmen

Jetzt müssen Sie noch wissen, wie viele Maschen Sie verteilt auf die 60 cm zunehmen müssen. Dafür rechnen Sie zuerst aus, wie sehr sich der Umfang der Krawatte vergrößert.

Angenommen, die Krawatte soll oben 4 cm und an der breitesten Stelle 9 cm breit sein. Das wäre ein Unterschied von 5 cm. Weil wir die Krawatte aber in Runden und doppelt stricken, verdoppelt sich auch die Zunahme und beträgt dadurch 10 cm.

Durch die Maschenprobe wissen wir ja schon, dass 28 Maschen 10 cm ergeben. Deshalb ist klar, dass Sie 28 Maschen zunehmen müssten. (Bei anderen Werten würden Sie die Maschenzahl durch die Breite der Zunahme teilen.)

Beim Stricken der Krawatte nehmen wir in jeder Zunahmerunde zwei Maschen auf. Folglich teilen Sie die Maschenzahl für die Zunahmen durch 2. In unserem Beispiel wären das also 28 : 2 = 14 Zunahmerunden.

Nun können Sie noch die Anzahl der Runden für 60 cm durch die Anzahl der Zunahmerunden teilen. Dadurch wissen Sie, wie groß der Abstand zwischen den einzelnen Zunahmerunden ist.

In unserem Beispiel würde das bedeuten, dass jeweils 216 Runden : 14 = 15, 43 Runden zwischen den Zunahmen liegen. Demnach würden Sie die Zunahmen in jeder 16. Runde arbeiten.

Die Anleitung für die Strickkrawatte

Nach dem ganzen Rechnen können wir uns nun endlich an die Arbeit machen. Wie schon erwähnt, stricken wir die Strickkrawatte in Runden. Dadurch liegt das Gewebe doppelt und die Krawatte fällt schöner.

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Dabei stricken wir die Krawatte einfach nur glatt rechts. Wir arbeiten also immer nur rechte Maschen. So wirkt die Strickkrawatte edel und passt durch den schlichten Look zu vielen Outfits und Anlässen. Sie können aber natürlich auch ein anderes Muster wählen.

1. Die Maschen anschlagen und den schmalen Teil stricken

Für die Strickkrawatte schlagen Sie doppelt so viele Maschen an, wie Sie für Ihre gewünschte Breite brauchen. In unserem Beispiel von oben wären das 22 Maschen. Diese Maschen verteilen Sie auf die vier Nadeln vom Nadelspiel.

Dann stricken Sie in Runden rechte Maschen. Und das machen Sie solange, bis Ihre Strickarbeit 80 cm lang ist.

Tipp: Wenn Sie ein anderes Strickmuster arbeiten möchten, dann stricken Sie dieses Muster nur über die Maschen auf der zweiten und der dritten Nadel. Die Maschen der beiden anderen Nadeln stricken Sie glatt rechts. So bekommt die Strickkrawatte auf der Vorderseite das Muster. Die Rückseite bleibt glatt und liegt dadurch besser an.

2. Den unteren Teil mit den Zunahmen stricken

Damit die Strickkrawatte nach und nach breiter wird, arbeiten Sie ab jetzt die Zunahmen. Dabei nehmen Sie bei einer Zunahme zwei neue Maschen dazu. Und zwar so:

  • Stricken Sie die Maschen auf Ihrer ersten Nadel rechts, bis nur noch zwei Maschen übrig sind. Dann machen Sie einen Umschlag und stricken die beiden verbliebenen Maschen ab.
  • Die Maschen auf der zweiten und der dritten Nadel stricken Sie ganz normal rechts.
  • Auf der vierten Nadel stricken Sie zwei Maschen rechts. Danach legen Sie einen Umschlag um die Nadel und stricken die übrigen Maschen.
  • In der nächsten Runde stricken Sie die beiden Umschläge verschränkt ab. Sie arbeiten also rechte Maschen, stechen aber auf der Rückseite der Nadel in das hintere Maschenglied ein. Es ist sehr wichtig, dass Sie die Umschläge verschränkt stricken. Sonst entstehen Löcher.

Nach den Zunahmen stricken Sie wie zuvor glatt rechts in Runden weiter. Wie viele Runden Sie bis zur nächsten Zunahme stricken, haben Sie ausgerechnet. In unserem Beispiel wären es noch 14 Runden. Denn die Runde, in der wir die Umschläge rechts verschränkt gestrickt haben, zählt mit.

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Die Zunahmen wiederholen Sie nun so oft und in dem Abstand, wie Sie ausgerechnet haben. In unserem Fall wären das noch 13 Zunahmen in jeder 16. Runde. Dabei haben Sie mit jeder Zunahme mehr Maschen auf der ersten und der vierten Nadel. Auf den beiden Nadeln in der Mitte ändert sich nichts.

Hinweis: Wenn Sie in einem Muster stricken, müssen Sie die Zunahmen auf der Vorderseite der Krawatte und somit auf der zweiten und der dritten Nadel arbeiten.

3. Die Spitze der Strickkrawatte arbeiten

Haben Sie die Zunahmen fertig, sind Sie an der breitesten Stelle der Krawatte angekommen. Nun stricken Sie noch einmal so viele Runden glatt rechts, wie Sie zuvor zwischen den Zunahmen gestrickt haben. Danach sollte Ihre Strickarbeit 140 cm lang sein.

Dann fehlt nur noch die Spitze. Bevor Sie damit beginnen, verteilen Sie die Maschen aber erst einmal gleichmäßig auf die vier Nadeln. Schieben Sie dazu ein paar Maschen von der ersten auf die zweite Nadel und einige Maschen von der vierten auf die dritte Nadel. In unserem Beispiel haben Sie insgesamt 50 Maschen, die Sie in 12-13-13-12 Maschen aufteilen können.

Die Spitze der Strickkrawatte arbeiten Sie genauso wie bei einer Socke. Das bedeutet:

  • Bei der ersten Nadel stricken Sie bis zur drittletzten Masche rechts. Die dritt- und die vorletzte Masche stricken Sie rechts zusammen. Danach arbeiten Sie die letzte Masche normal rechts.
  • Auf der zweiten Nadel stricken Sie die erste Masche rechts. In die nächste Masche stechen Sie wie zum Rechtsstricken ein und heben sie auf die rechte Nadel. Dann stricken Sie eine Masche rechts und ziehen die abgehobene Masche über die eben gestrickte Masche. Die restlichen Maschen arbeiten Sie rechts.
  • Die dritte Nadel wird wie die erste Nadel gestrickt.
  • Bei der vierten Nadel arbeiten Sie wie bei der zweiten Nadel.

Auf diese Weise haben Sie vier Maschen abgenommnen. Dann folgt eine Runde ohne Abnahmen über alle Maschen. In den nächsten Runden nehmen Sie jedes Mal Maschen wie eben beschrieben ab. Dazwischen stricken Sie keine Runden ohne Abnahmen.

Dabei nehmen Sie solange Maschen ab, bis nur noch zwei Maschen übrig sind. Dann schneiden Sie den Faden großzügig ab und ziehen ihn durch die beiden verbliebenen Maschen.

4. Die Strickkrawatte fertig stellen

Jetzt vernähen Sie den Endfaden sorgfältig. Das Ende können Sie entweder abschneiden oder ins Innere der Strickkrawatte schieben.

Auf der anderen Seite legen Sie den Maschenanschlag aufeinander und nähen die Kante mit dem Anfangsfaden flach zusammen. Auch hier können Sie das Ende abschneiden oder in die Krawatte ziehen.

Anschließend spannen Sie die Strickkrawatte vorsichtig, feuchten sie an und lassen sie trocknen. Fertig!